Bildungs- & Wirtschaftskommunikation

Bildungs- & Wirtschaftskommunikation, Digitales Gesamtbild, Kommunikation als Kulturvermittlung, Social Media Kommunikation

„ Drücken Sie den Knopf für Gemeinde 2.0“

with one comment

Ich habe mich zwischen 2009 und 2012 mit der online Kommunikation der katholischen Kirchengemeinde Sankt Bonifatius Berlin-Kreuzberg beschäftigt. [Referenzschreiben, 24.11.10] In dieser Zeit entstand das Konzept für ein digitales Gesamtbild, Social Media Kommunikation für die Kirchengemeinde: Gemeinde 2.0.

2012-04-23 13.50.08

Nehmen wir einmal an, es gäbe, neben der funktionierenden analogen Gemeindearbeit (offline), online Kommunikationsbedarf in der Gemeinde, mit zum Beispiel diesen drei Herausforderungen:

  • Ehrenamtlichen ihre Arbeit erleichtern

Ehrenamtliche beklagen manchmal, dass Sie zu wenig Entlastung erhalten. Wenn Sie einmal eine Tätigkeit angenommen haben, haben sie das Gefühl, sie sollen diese Tätigkeit Zeit Ihres Lebens ausführen. Wie können Ehrenamtliche im Projektmanagement, in der Organisation und in der Darstellung ihrer Tätigkeit unterstützt werden?

  • Menschen den Zugang zur Kirche erleichtern

Fragt man Menschen, die nicht aktiv zu Gottesdiensten gehen oder sonstige Berührungspunkte zu einer Gemeinde haben, nach ihrer Einstellung zum Glauben und dem Ort der Kirche an sich, dann kommt oft im Wortsinn die Antwort, dass sie zwar glauben, aber ihren Glauben in keinerlei Hinsicht ausleben. Sie wissen oft auch nicht, welche Angebote eine Gemeinde neben dem klassischen Sonntagsgottesdienst noch bietet. Dieses Wissen verwehrt die aktive Gemeinde oft unwissentlich. Es gibt keine Verknüpfungspunkte oder Schnittstellen zur Lebenswelt der Befragten.

Das liegt häufig nicht nur an dem physisch nicht geöffneten Gotteshaus, sondern auch daran, dass Online-Werbung nach außen fehlt, aber vor allem auch daran, dass diese Informationen nicht zu finden sind.

Wenn Menschen christliche bzw. religiöse, familiäre oder caritative, beratende oder auch meditative Zusammenhänge suchen, sollten diese Suchenden dann nicht die Gemeinde-Website, also das (online) Angebot der nächstliegenden, lokal erreichbaren Kirche finden können? Idealerweise nicht nur direkt auf der Website der Gemeinde selbst, sondern auch in den Suchergebnissen, die nicht direkt auf die Gemeinde-Website verweisen (z. B. Erfahrungsberichte auf Blogs oder Social Bookmarks).

  • Kirche als Antwort in allen Lebensbereichen

Anders als in einem Zeitschriften- oder Buchladen kann die Angebotswelt im Internet stark begrenzt sein. Dies ist zwar ein Widerspruch, bezogen auf die Weiten des Internets, entspricht aber der Realität des online Empfehlungsmarketings. Schafft es die Kirchengemeinde indirekt, in Suchergebnissen aufzutauchen, die primär keinen Bezug zur Suchergebnisserwartung haben?

Mit meinem Selbstverständnis würde ich die Frage stellen:

Kann die digitale Gemeindekommunikation eine Lösung für diese Herausforderungen bieten?

Konzentrieren wir uns nur auf die online Welt. In dieser online Welt bewegen sich fast alle Menschen in Europa. Über die Hälfte der User startet ihren Internetbesuch über eine Suchmaschine. Sie starten wahrscheinlich mit einer Frage, eigentlich mit einer Antwort. Gefunden werden können dann alle offenen online Angebote im WWW.

22 02 10 St Boni Bln / Drücken Sie den Knopf für Gemeinde 2.0

Aus meiner professionellen Erfahrung heraus weiß ich, dass für die Social Media Kommunikation drei Hauptbereiche in der Gemeindekommunikation von wesentlicher Bedeutung sind. Im Folgenden aufgeführt nach ihrer Wichtigkeit:

1 Zusammenarbeit/ Partizipation

In jeder Kirchengemeinde gibt es bereits Gruppen, die zusammen organisieren und veranstalten. Die Arbeit mit digitalen Werkzeugen ist vielleicht bekannt, aber diese werden nicht genutzt – der Fokus der Arbeit liegt im flüchtigen Moment der Veranstaltung/Darbietung selbst.

Ideal wäre es, wenn die Gemeindegruppen ihre Arbeit digitalisieren und veröffentlichen könnten, in Form von Fotos, Texten, Videos, Interviews… Oft werden sogar Texte geschrieben, es werden zuhauf Fotos gemacht und es werden auch Videos aufgenommen. Was fehlt, ist eine Gruppe, die mit einer Zuarbeit ein digitales Gesamtbild erschaffen kann. Oft scheitert es schon an der Weitergabe des erstellten Materials oder an der Kenntnis darüber, dass das Material von Interesse sein könnte. Ideal wäre es, wenn die Organisationsgruppen sich ebenfalls als Kommunikationsgruppe verstehen und die medienproduzierenden Menschen sich als gleichfalls Koordinatoren und Medienhandwerker verstehen würden.  So könnte jedes Treffen, Veranstaltung, Aktivität oder Gottesdienst in diesen drei Schritten ablaufen:

(1)  Vorberichterstattung oder Vorbereitungsprotokoll

(2)  Aktueller Bericht oder Checkliste

(3)  Nachberichterstattung oder Nachbesprechungsprotokoll

2 Website/ Infrastruktur

In meiner Erhebung (Mitte 2012, im Bistum Berlin) konnte ich Kriterien identifizieren, die eine suchmaschinerelevante Gemeinde-Website ausmacht. Grundgedanke bei diesem Kriterienkatalog ist die digitale Darstellung des Gemeindelebens. Bitte verwechseln Sie diese nicht mit dem Digitalisieren von der Gemeinde. Die digitale Darstellung der Gemeinde meint, dass das Leben, welches ja zweifelsfrei stattfindet, im Internet dargestellt wird. In der Summe, wenn die Kriterien auf der Website erfüllt sind, zeigt diese Website mehr als nur eine Einladung zum Gottesdienst. Die Website wird zum digitalen Dialogangebot. Auch Gemeindemitglieder, die zwar Kirchensteuern zahlen, aber lieber abwartend bleiben wollen, können so indirekt teilhaben.

Gibt es ein PDF im Internet, das sich mit der erfolgreichen Organisation von Sommerfesten beschäftigt? Suchen Sie mal danach und wenn Sie nichts gefunden haben, dann veröffentlichen Sie es als Gemeinde einfach selbst: Ein Projektmanagement-Leitfaden für viele kommende Feste. Die Kirchengemeinde, sowie ihre Veranstaltungen und Feste könnten damit in einem neuen online Suchzusammenhang stehen.

3 Social Media/ Medienarbeit

Die inhaltliche Schnittmenge von der Website und dem Social Web sollten auf den am stärksten besuchten Social Media Angebote liegen. Welche dies sind, entscheiden ihre Dialoggruppen. Daneben sollten externe online Themenauftritte versorgt werden und Präsentationen, Links und andere Informationsmaterialien auf dafür geschaffenen Plattformen abgelegt werden. Ob die Social Media/ Medienarbeit realisiert werden kann, ist abhängig von Punkt 2.

Bevor sich eine Gemeinde auf die Social Media Aktivitäten konzentriert, sollte die Gemeinde eine in sich geschlossen Website erstellen und sich sicher sein, dass diese auch die nächsten Jahre aktualisiert werden kann. Keine Angst, Sie müssen nicht jeden Tag eine Geschichte erzählen. Hilfreich ist jedoch, wenn Sie das Gemeindeleben innerhalb des liturgischen Kalenders bzw. der Festtage darstellen wollen und können. Manchmal ist es auch sinnvoll, nicht mehr aktuelle Artikel offline zu stellen. Haben Sie die volle Kontrolle über Ihre Gemeinde-Website, Verbundwebsite, Dekanatswebsite oder individuell anwählbaren Bereich auf der Bistumswebsite, dann starten Sie mit den sogenannten Social Media Accounts.

Die Gesamtheit der Social Media Kommunikation würde ich als digitales Gesamtbild oder als Gemeinde 2.0 bezeichnen. Lassen Sie sich Zeit und realisieren Sie die Möglichkeiten einer digitalen Zusammenarbeit bei der Erstellung ihrer Gemeinde/Dekanats-Website!

Gemeinde 2.0 Ausschnitt

Kriterienkatalog für die erfolgreiche digitale Darstellung der Gemeinde auf der Gemeindewebsite:

1. Kirche/ Gemeinde

2. Begrüßung auf der Startseite

3. Darstellung der Kirche/ Chronik Fusion / Informationen

4. Gemeindeteile/ Filialkirchen, Pfarrei, Mitgliederzahl

5. Gottesdienstordnung, -zeiten Gottesdienstplan

6. Veranstaltungen/ Kalender/ Aktuelles

7. Kontaktmöglichkeiten / Allgemein:

a. Pfarrer

b. Diakon

c. Kaplan

d. Gemeindereferentin

e. (Tel., E-M., Syst-Mail, Postansch.)

f. (Download-Möglichkeit für Formulare), Friedhof

8. Tätigkeitsbeschreibung

a. Pfarrer

b. Pfarradministration

c. Kaplan

d. Diakon

e. Gemeindereferent

f. Pfarrsekretär

9. Gremien

a. Pfarrgemeinderat

b. Kirchenvorstand

i. Wahlergebnis

ii. Mitglieder

iii. Kontaktmöglichkeiten

iv. Thematische Schwerpunkte

v. Protokolle

10. Liturgie

a. Tätigkeit

b. Beschreibung

c. Mitglieder

d. Kontaktmöglichkeiten

e. Schwerpunkte

f. (Lektoren, Ministranten)

11. Kantorei

a. Beschreibung

b. Mitglieder

c. Kontaktmöglichkeiten

d. Schwerpunkte

e. (Kirchenchor, Kinderchor, Orgel)

12. Küster

a. Gottesdienstbeauftragter

b. Beschreibung, Mitglieder

c. Kontaktmöglichkeiten

d. Schwerpunkte

13. Übersichtsseite

a. Gruppenbeschreibung

b. Mitglieder

c. Kontaktmöglichkeiten

d. Schwerpunkte

e. (Männergruppe, Frauengruppe, Seniorengruppe, Familiengruppe, Elterngruppe, Junge

              Erwachsene,  Jugendgruppe,  Kindergruppe)

14. Sitemap / Inhaltsangaben

15. Websitesuche

16. Sakramente

17. Spiritualität, Gedanken zur Orientierung

18. Glaubensgemeinschaften (Bibel teilen, Stille Anbetung, Legion Marien, Nigtfever,

     Katechumenatskreis)

19. Soziales Engagement, Kulturverein, der Gemeinde, (Suppenküche, Bücherei, Besuchsdienst,

     Krankenkommunion, Afrikakreis)

20. Affialte e.V. Gestaltung des Accounts eigenverantw. ext. Content

21. Hilfsorganisation

a.        Verband (Pfadfinder, Caritas, Kolping)

b.       Kooperationen: Kita, Hort, Kindergarten

22. Stiftung, Förderverein

23. Patenschaften des Kirchenverbundes

24. Ökumene

a. Dekanat/ Informationen

b. Bistum, Diözese / Informationen

c. (Link, Beschreibung, Ansprechpartner)

25. Angebote & Gesuche

26. Linkliste, Empfehlungen, Werbung/ Produktinfo, Gästewohnung

27. Eigentümer der Website

28. Website Produzent (Agentur, Privat, Gemeinde, Pfarrer)

29. Website

a. Redaktion

b. Gestaltung

30. Letzter Eintrag (manuell/ technisch)

31. Mehrsprachig (wenn mehrsprachige Gemeinde)

32. Barrierefrei

33. Mobile Website

34. PDF anstelle von HTML-Site

35. Bilder, Video, Audio, Inhalte

36. Plattform (Zusammenarbeit)

a. Forum

b. Zusammenarbeit & digitales Teilen

c. Eintritt erkennbar (Zutritt nur für Mitglieder)

37. Verweis von Offline zu Online (Schaukasten, Location Based Services, QR-Code)

38. Pfarrnachrichten

a. Vermeldungen

b. (Kontaktmöglichkeit, Tätigkeitsberschreibung)

          c. PDF

39. Newsletter

40. RSS-Feed

Eine Antwort

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  1. […] Wenn ich (als »Fortgeschrittener«) eine kritische Anmerkung machen möchte, dann frage ich, wie Gemeinden, Institutionen, Teams in den sozialen Netzwerken gemeinsam auftreten können. Persönlich und professionell soll es sein, ja, aber wie geht das, wenn ich »für« eine Gemeinde schreibe, alleine oder mit anderen? Sind die sozialen Netzwerke nicht sehr/zu stark auf die Beteiligung von Individuen ausgerichtet, viel stärker als das Web 1.0, in dem Inhalte eingestellt und veröffentlicht werden? Hier und da gibt es einzelne Hinweise im Buch, doch wahrscheinlich hätte die intensivere Beschäftigung mit dieser Thematik den Umfang gesprengt. Doch da hilft das Netz dann weiter, z.B. Erik Wegener: »Drücken Sie den Knopf für Gemeinde 2.0« […]


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